Termin vereinbaren Contact-us
Themen-Special Nachhaltigkeit 2025

Daniel Caspary: Nachhaltigkeit kann ein Wettbewerbs-Vorteil sein …

… wenn sie Innovationen fördert und neue Märkte erschließt.
Als Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament und Mitglied des Handelsausschusses (INTA) setzt sich Daniel Caspary für eine starke europäische Handelspolitik ein. Darüber hinaus ist er auch stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (AFET) sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON). Für ihn ist klar, dass es einer starken Wirtschaft bedarf, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist wichtig. Unser Ziel ist es, Unternehmen die Rahmenbedingungen zu geben, dass sie wirtschaftlich erfolgreich bleiben, Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig Innovationen nicht nur im Bereich der Nachhaltigkeit vorantreiben können. Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage dafür, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Deshalb setzen wir auf eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, die Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum miteinander verbindet. Deshalb müssen wir den Unternehmen wieder mehr Raum zur eigenständigen Entfaltung geben.

Wie schätzen Sie die unternehmerische Nachhaltigkeit in der EU im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen der Welt ein? Sind Unternehmen in der EU führend oder hinken sie hinterher?

Die EU ist sicherlich ein Vorreiter, wenn es um die unternehmerische Nachhaltigkeit geht. Europäische Unternehmen setzen Maßstäbe, wenn es um nachhaltige Technologien, die Kreislaufwirtschaft und klimafreundliche Produktionsprozesse geht. Unsere Standards sind oft strikter als die in anderen Regionen der Welt. Das ist zum einen ein Vorteil, weil wir Innovationstreiber sind und eine Vorbildfunktion für andere haben. Andererseits laufen wir Gefahr, uns selbst zu schaden, wenn wir zu hohe Maßstäbe setzen, während Konkurrenten aus anderen Ländern mit weniger strengen Vorschriften billiger produzieren können. Wir brauchen deshalb faire Wettbewerbsbedingungen, die sicherstellen, dass europäische Unternehmen nicht benachteiligt werden. Wenn uns das gelingt, können wir unsere Vorreiterrolle nicht nur behaupten, sondern auch wirtschaftlich davon profitieren.

Ist die Ausweitung der Nachhaltigkeitsanforderungen für Unternehmen ein Vorteil im internationalen Wettbewerb oder benachteiligt es Unternehmen in der EU?

Es kommt darauf an, wie die Anforderungen gestaltet werden. Nachhaltigkeit kann ein Wettbewerbsvorteil sein, wenn sie Innovationen fördert und neue Märkte erschließt – zum Beispiel bei nachhaltigen Technologien oder klimafreundlichen Produkten, für die die Nachfrage weiter steigt. Europäische Unternehmen können so von diesem Trend profitieren.
Wenn die Anforderungen aber zu streng oder zu einseitig sind, werden unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteiligt. Während die europäischen Unternehmen teure Umweltstandards einhalten müssen, produzieren Konkurrenten aus Drittländern oft billiger, weil sie diese Standards nicht haben. Und genau hier braucht es faire Rahmenbedingungen, wie den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), damit Importe den gleichen Umweltanforderungen unterliegen wie europäische Produkte. Nur so können wir sicherstellen, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen. Grundsätzlich muss das übergriffige Regulieren aufhören und wir müssen die Unternehmen wieder mehr selbst entscheiden lassen.

 

Immer mehr Unternehmen sind verpflichtet, über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten zu berichten. Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Unternehmen dazu? Sehen diese die Vorteile oder überwiegen die Nachteile und was hören Sie konkret am häufigsten an Argumenten?

Das Hauptargument ist auf jeden Fall der bürokratische Aufwand und die damit verbundenen zusätzlichen Kosten, die mit den neuen Berichtspflichten verbunden sind. Auch wenn es größeren Unternehmen leichter fällt diese zu bewältigen, da sie mehr Ressourcen zur Verfügung haben, um Berichterstattungspflichten nachzugehen, ist auch bei ihnen der bürokratische Mehraufwand zu spüren. Bei Kleinen und mittelständischen Unternehmen ist es, wie sie sich vorstellen können, daher noch herausfordernder, aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Kapazitäten. Diese überflüssige Berichtspflichten gehören beseitigt.

Das Bild zeigt den EU-Parlamentarier Daniel Caspary von der CDU.

Welche weiteren Berichtspflichten für Unternehmen sind für die Zukunft geplant?

In den letzten fünf Jahren wurden mehrere Gesetzgebungen beschlossen, darunter die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Taxonomie-Verordnung, die die Berichtspflichten für Unternehmen deutlich erweitern. Diese Regelungen treten nun in Kraft und verpflichten mehr Unternehmen, detailliert über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten zu berichten. Eine weitere wichtige Entwicklung ist, dass die Berichterstattung über klimabezogene Risiken und deren langfristige Auswirkungen in den kommenden Jahren zunehmend in den Mittelpunkt rücken wird. Die Taxonomie-Verordnung verlangt von Unternehmen, ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten nach Nachhaltigkeitskriterien zu klassifizieren, was zu mehr Transparenz über die tatsächliche Nachhaltigkeit von Unternehmen führt.
Jedoch ist es nicht geplant, die Berichtspflichten weiter auszubauen. Im Gegenteil, es wird auf eine Reduzierung der Anforderungen hingearbeitet, um die Unternehmen endlich zu entlasten. Die Europäische Kommission hat bereits angekündigt, die Berichtspflichten um 25 % zu reduzieren, für kleinere und mittlere Unternehmen sogar um 35 %. Diese Anpassung ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Anforderungen für alle Unternehmen praktikabel bleiben, insbesondere für KMU, die häufig nicht über dieselben Ressourcen wie große Unternehmen verfügen.

Was hat die Verpflichtungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung bisher gebracht?

Aus meiner Sicht nichts. Das bindet unsinnig Ressourcen, die anders besser eingesetzt werden könnten.

 

Welche Hoffnung, die damit verbunden waren, haben sich nicht erfüllt?

Aus meiner Sicht alle. Man ändert etwas durch Handeln und nicht durch Berichten.

 

Was würden Sie gerne noch verändern oder verbessern am Status Quo in Sachen Nachhaltigkeit und Berichtserstattung?

Ich denke, wir müssen die Berichtspflichten pragmatischer gestalten. Die aktuellen Anforderungen sind oft sehr bürokratisch und kompliziert, vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen, die nicht über die nötigen Ressourcen verfügen. Es wäre sinnvoll, die Komplexität zu reduzieren und für diese Unternehmen vereinfachte, aber dennoch aussagekräftige Berichterstattungsformate zu schaffen. Dafür setzen wir uns in der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament ein.

 

Welchen Einfluss können Unternehmen bei der Gestaltung der Regularien nehmen und haben auch kleinere Unternehmen die Möglichkeiten, sich einzubringen?

Jedes Unternehmen kann durchaus einen Einfluss auf die Gestaltung der Regularien nehmen. Die Unternehmen können ihre Bedenken und Vorschläge einbringen, die oft in den Entwurfsprozess einfließen, besonders wenn es um technische Details oder um Umsetzungsmöglichkeiten geht. Zudem führen viele Europäische Institutionen Konsultationen durch, bei denen Unternehmen ihre Meinung äußern können. Auch Branchenverbände können dabei eine Rolle spielen und die Stimmen kleinerer Unternehmen bündeln. Man braucht auf der anderen Seite aber auch Entscheider, die zuhören und Bedenken ernst nehmen. Das tun wir als CDU/CSU-Europaabgeordnete, aber leider nicht alle unsere politischen Wettbewerber.

 

Weitere Infos über Daniel Caspary und seine Arbeit gibt es unter www.caspary.de/aktuelles/

Themen-Special Nachhaltigkeit 2025
Nachhaltigkeits-Expert*innen im Gespräch

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch in Betrieben wird nachhaltiges Handeln immer wichtiger. Doch wie zeigt sich Nachhaltigkeit im täglichen Betrieb? Welche Auswirkungen gibt es für Mitarbeitenden und die Geschäftsführung? Bringen die unterschiedlichen Aktivitäten, was von ihnen erwartet wird?

432Hz hat im Rahmen seines Themen-Specials „Nachhaltigkeit 2025“ verschiedene Expert*innen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen, der Finanz- und Versicherungswelt sowie der Politik befragt und sie um ihren ganz persönlichen Blick auf die Welt der unternehmerischen Nachhaltigkeit gebeten, darunter Karl-Heinz Weber von der Sparkasse Koblenz, Christiane Zügner von der Handwerkskammer Koblenz, Jens Metzinger von der Debeka, Svetlana Thaller-Honold von BarmeniaGothaer EU-Politiker Axel Voss und Daniel Caspary sowie einige mehr.

Die Beiträge erscheinen nach und nach im 432Hz-Blog. Abonnent*innen unseres Newsletters haben später die Möglichkeit, alle Artikel, ergänzt mit nützlichen weiteren Informationen rund um die unternehmerische Nachhaltigkeit als umfangreiches PDF herunterzuladen.